Montag, 19. Februar 2018

Piter Map Quilt - Zwischenstand IV

Acht Monate ist es her, dass ich das letzte Mal etwas von meinem Projekt Piter Map Quilt berichtet habe. Es gab ein paar Schwierigkeiten (die Markierungen mit dem Zauberstift verschwanden schon nach wenigen Minuten wieder, ich wusste nicht, wie ich die vielen sich schlängelnden Kanäle und Flüsschen der Stadt und die Newa-Mündung mit ihren Inseln darstellen könnte, ich hatte keinen passenden Stoff für das Wasser) - vor allem aber war die Luft raus. Kennt Ihr das?

So lagen die unfertigen Stücke fast ein Dreivierteljahr im Schrank herum. Und plötzlich, nach dem letzten Quilt, war der Moment wieder da, und es konnte endlich weitergehen. Grauen Baumwollstoff für das Wasser und einen Markierstift, dessen Linien nicht sofort wieder unsichtbar werden, hatte ich mir Anfang des Jahres aus Berlin mitgebracht. Die schmalen Kanäle und Flüsschen, entschied ich spontan, sollen aus grauer Wolle bestehen, mit Zickzackstich aufgenäht. 

Der Zentrale Distrikt, die Wassiljewski-Insel, die Petrograder und die Wyborger Seite sind nun zusammengesetzt, auf entsprechende Stücke Baumwollvlies geheftet und gequiltet. Die breite Newa, der Fluss der Stadt, wird entlang des zentralen Distrikts und östlich der Petrograder Seite als Applikation aufgebracht. Im Bereich der Mündung ins Meer, wo sich das Verhältnis von Land zu Wasser umkehrt, werde ich die Landbereiche als oberste Schicht ausführen. Mehr dazu demnächst...

Freitag, 16. Februar 2018

Noch ein Einhorn

Das Einhorn, das als Applikation auf dem Kleid für mein Patenkind gelandet ist, hat einen Zwilling bekommen. Hier nicht aus Stoff, sondern aus goldener Acrylfarbe (wenn man das Motiv vorsichtig und sauber ausschneidet, kann man das Papier als Stempelschablone benutzen). Und ebenfalls mit Pailletten bestickt. Einhörner, zeigt sich, erfreuen nicht nur Mädchen mit 4, sondern auch noch mit 9 Jahren.

Montag, 12. Februar 2018

12 von 12 im Februar

Es ist Montag der 12. Februar - und heute wird Karneval gefeiert. Das Mädchen geht als Pfau, der Junge als Jedi Ritter. Nach einem schnellen Frühstück ziehen die Kinder ihre Kostüme an. Das Mädchen bekommt türkisfarbenen Glitzerlidschatten auf die Augen.

Als der Mann und die Kinder aus dem Haus sind, gehe ich schnell einkaufen. Wir haben keinen Kaffee mehr. Zur Zeit ist es nicht sehr angenehm, zu Fuß unterwegs zu sein. Überall sind Absperrungen, weil Schnee und Eiszapfen von den Dächern fallen könnten.

Am besten guckt man gar nicht nach oben. Nicht nur wegen der Eiszapfen: Oft genug sieht man Leute auf den Dächern stehen, die - nicht immer mit Gurt und Seilen gesichert - den Schnee herunter schippen oder, gefährlich weit nach vorne gebeugt, die Eiszapfen abschlagen.

Als ich wieder zu Hause bin, stelle ich Teller und Tassen, Stövchen und Teekanne, Kaffee und Milch und das gestern gebackene Banana Bread bereit. Heute findet bei uns in der Wohnung ein Executive Committee Meeting des Internationalen Clubs statt, in dem ich Mitglied bin. Um kurz vor 10 trudeln die Ersten ein.


Die Sitzung dauert drei Stunden. Zwischendurch klingelt es an der Tür. Ein von der Hausverwaltung bestellter Handwerker - auch von den Fensterblechen unserer Wohnung soll der Schnee auf die Straße geschippt werden. Als wir fertig sind, mache ich mich mit einer Freundin auf den Weg zur Schule.

Dort wird heute nicht nur Karneval gefeiert, sondern auch Masleniza, und nachmittags sind die Eltern eingeladen, mitzufeiern. Viele Kinder haben selbstgebackene Eierkuchen mitgebracht. Mit einem Lineal wird gemessen, welche Klasse den höchsten Stapel hat. Die sechste Klasse gewinnt.

Später werden die Eierkuchen verteilt. Besonders lecker schmecken die Blini mit Sguschonka, dicker süßer Kondensmilch. Außerdem gibt es heißen Kinderpunsch und Baranki. Das sind harte Kringel mit Mohn (auf dem vorherigen Bild im Hintergrund zu sehen).

Es werden Lieder gesungen, die Tanzgruppe führt etwas auf, aber der Höhepunkt ist das Tauziehen zwischen dem Winter und dem Frühling. Die Kinder können entscheiden, auf welcher Seite sie mitziehen wollen. Ein paar Erstklässler purzeln dabei zu Boden, aber der Frühling gewinnt. Nun ja. Wer's glaubt...

Zusammen mit den Kindern machen wir uns auf den Heimweg. Die Fenster sind so beschlagen, dass man kaum etwas erkennt. Die Kinder malen mit den Fingern auf den Scheiben. Irgendwo da draußen ist die Newa, grau und weiß wie der Rest der Stadt.

Als wir zu Hause sind, bekommen wir Besuch von einer deutschen Bekannten und ihrer Tochter. Die Mädchen kennen sich noch nicht, verstehen sich aber auf Anhieb. Währenddessen unterhalten wir Erwachsenen uns in der Küche, und der Junge spielt mit seinem Playmobil.

Dann kommt auch der Mann nach Hause. Unser Besuch muss gehen. Während ich mich an den Computer setze, um die Bilder des Tages durchzugehen, kümmert sich der Mann ums Abendessen (Nudelsuppe, Brot mit Frischkäse und grüner Salat) und bringt die Kinder ins Bett.

Fertig! Ich freue mich jetzt auf mein Abendessen, das noch in der Küche steht, ein IPA und ein, zwei alte Folgen Magnum (tatsächlich! Mr. Schnauzbart...). Und wie war Euer Tag? Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.

12 von 12 im Februar 2017
12 von 12 im Februar 2016
12 von 12 im Februar 2015
12 von 12 im Februar 2014

Freitag, 9. Februar 2018

Nachhilfe in Astronomie - Der Super Blue Blood Moon

Wisst Ihr, was ein Super Blue Blood Moon ist? Bis letzte Woche wusste ich es nicht. (Ein bißchen Nachhilfe in Astronomie gibt es hier - wer die nicht braucht und sein Wissen zum Thema testen will, kann das hier tun). Als ich vor knapp zwei Wochen anfing, ohne Plan bunte Stoffstückchen aneinander zu nähen, hatte ich auch nicht im Sinn, den Super Blue Blood Moon vom 31. Januar 2018 in einem Quilt festzuhalten. Erst Ninioglykkelig hat mich in diesem Instagram-Post auf die Idee gebracht.

Das bunte Patchwork wurde zu einem Kreis mit einem Durchmesser von ca. 70 cm. Da ich mit einer normalen Nähmaschine quilte, unter die keine große Stoffmassen passen, habe ich das Quilten des Kreises vorgezogen. So ein Muster hätte ich sonst nicht hinbekommen. Ich habe das Patchwork auf ein Stück Vlies geheftet, mit Kreide und Trickmarker Dreiecke und Linien aufgezeichnet und alles mit weißem Garn gequiltet.

Zum ersten Mal habe ich beim Quilten Handschuhe angezogen. Das macht es wirklich einfacher, und die Hände sind danach nicht so verkrampft. Eigentlich hatte ich vorgehabt, für den Rest des Quilts einen grauen Stoff zu verwenden, aber ein Schnappschuss aus dem Arbeitszimmer zeigte: auf einem dunklen Hintergrund und mit weißem Rand kommen die leuchtenden Farben viel besser zur Geltung. 

In ein ungefähr 1,00 x 1,40 großes Stück schwarzen Baumwollstoffs, den Nachthimmel, habe ich mittig eine kreisrunde Öffnung geschnitten (mit etwas kleinerem Durchmesser als der Mond) und deren Rand mit weißem Schrägband eingefasst. Dann wurde das Patchwork dahinter gelegt, sorgfältig rundum festgesteckt und mit einer Naht entlang der inneren Kante des Schrägbands festgenäht.

Das Batting besteht aus Baumwollquiltvlies, aus dem ich den schon vorher gequilteten Mond ausgeschnitten habe, um zu verhindern, dass in der Mitte zwei Schichten Vlies übereinander liegen. Für die Rückseite habe ich einen festen dunkelbraunen Baumwollstoff verwendet. Wie die schwarze Fläche zu quilten sei, stand schnell fest - mit schlichten konzentrischen Kreisen, füßchenbreit voneinander entfernt.

Das Binding habe ich aus schwarzen Stoffresten zusammengestückelt. Weil es keine ausreichend langen Streifen gab, wurden schmale Stücke aus andersfarbigem Stoff dazwischengesetzt. Das habe ich zum ersten Mal bei meinem Zou Bisou Bisou Quilt gemacht. Bei diesem Quilt mit seiner großen schwarzen Fläche gefallen mir die vielen kleinen bunten Hingucker am Rand besonders gut.

Das ist er, der fertige Super Blue Blood Moon Quilt. Zugegebenermaßen ist er nicht rot, aber darüber sehe ich jetzt einfach hinweg - Blood könnte schließlich auch für Herzblut stehen. Den nächsten Super Blue Blood Moon gibt es übrigens in 35 Jahren zu sehen....

Mittwoch, 7. Februar 2018

Me Made Mittwoch [Biesen-Shirt]

Me Made Mittwoch mit einem Shirt nach dem Schnitt Accordion (02/2014) aus blauer Viskose mit Kranichmuster. Vor drei Jahren hatte ich mich schon mal an dem Schnitt versucht, aber das Ergebnis sah, weil nicht genug Stoff vorhanden war, ganz anders aus als die Vorlage. 

Auch dieses Mal habe ich ein paar Änderungen vorgenommen:. Die Ärmel sind länger (eigentlich hätte ich gerne 3/4-Ärmel gehabt), die Biesen enden nicht ein Stück unterhalb des Halsausschnitts (der steht schon bei dem Modell in der Zeitschrift so seltsam ab) und den Halsausschnitt habe ich mit Hilfe eines schmalen Bundstreifens (nennt man das so...?) etwas verkleinert.

Hier sieht man die Biesen des Vorderteils (passend zum Thema der letzten Stoffspielerei).

Das Schöne an dem Schnitt ist, dass das Rückenteil nicht nur eine geformte Mittelnaht hat, sondern auch noch mit zwei Abnähern auf Figur gebracht werden kann. Darauf habe ich dieses Mal verzichtet. Dafür habe ich mir Zeit genommen, die Schulterabnäher und den Bund so anzupassen, dass der Ausschnitt hinten schön anliegt.

Mehr selbstgemachte Outfits findet man immer am ersten Mittwoch des Monats auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Montag, 5. Februar 2018

Festival Tradizia 2018 in St. Petersburg

Vom 31. Januar bis 4. Februar 2018 fand hier in St. Petersburg das Patchworkfestival Tradizia [фестивале лоскутного шитья «Традиция»] unter dem Thema "Bis zum letzten Stofffetzen" ["До последнего лоскутка"] statt, und ich habe die Hauptausstellung besucht und möchte allen, die es interessiert, davon berichten. Ich kenne kaum Quilter/innen persönlich, so dass ich so gut wie nie Werke von Anderen sehe. So eine Ausstellung ist daher ein absolut außergewöhnliches Ereignis. Es gibt sie wirklich - nicht nur auf Fotos! An jeden einzelnen Quilt heran treten zu können, bis die Nase fast den Stoff berührt, und die Materialien, die Strukturen, die Nähte bis ins Detail studieren zu können, das ist nicht nur wahnsinnig interessant und inspirierend - mich macht es euphorisch.

Eine große Freude war es, Tanya Munro aus Dubna kennenzulernen, die die Modern Quilt Gruppe [Новый современный квилт] der russischen Quilters' Guild leitet und eine der Teilnehmerinnen unserer Improv-Quilt-Bee ist. Ich liebe es, wenn virtuelle Kontakte echte werden, vor allem, wenn sie so nett und sympathisch sind, wie man es sich vorgestellt hat. Auf dem Bild steht Tanya vor ihrem wunderschönen, regelrecht funkelnden Quilt "Little Big Scrap Universe" [123x123 cm], der eine Auszeichnung bekommen hat. Am Samstag wusste sie noch nicht, welche - erst bei der Preisverleihung am Sonntag erfuhr sie, dass es der Grand Prix in der Kategorie "Moderner Einsatz von traditionellen Techniken und Ornamenten" war!

Nebenbei: Für das Projekt Iron Board Cover der Russian Quilters' Guild hat Tanya diesen Patchwork-Bügelbrettbezug genäht. 100% improvisiert und so schön fröhlich und bunt, mit freihändigen, schwingenden Linien gequiltet.

Von einer weiteren Teilnehmerin unserer Improv-Quilt-Bee, Olga Stang aus Lippstadt, stammt dieser atemberaubende Quilt mit dem Namen "Erinnerungen an Oma" [106x106 cm]. Von weitem erinnert er an eine Spitzendecke mit aufgestickter Kreuzstich-Rose. Von Nahem betrachtet erkennt man, dass es sich um ein Patchwork aus lauter kleinen Stoffstückchen handelt. Und das Weiß um die Rose herum ist gar kein Weiß, sondern besteht aus verschiedenen ganz hellen Tönen. Der Quilt ist durchdacht bis ins kleinste Detail - wie die Bordüre aus aufgenähten Miniperlen oder den geschwungenen Rand.


Es gab eine Vielzahl weiterer wunderbarer Quilts zu sehen - hier nur eine kleine Auswahl:


Quilt "200 Shades of Grey" [105x105 cm] von O. Krylova aus Moskau.


Quilt "Drei Farben. Rot" [157x136 cm] von O. Vosnitsina aus Odinzowo. Die Hand nur zum Größenvergleich... (!)


Quilt "Herbst" [122x170 cm] von Maria Malinovskaya aus Dallas.

Und, auch äußerst beeindruckend: Die gepatchte und bestickte Jacke von Natalia Kapaeva. Mehr Bilder vom Festival findet Ihr hier.

Mein Fazit: Es war eine Ausstellung von vielen schönen, teilweise unglaublich aufwendigen und kleinteiligen Arbeiten, in denen Millionen von Stunden Fleißarbeit stecken. Zwei kleine Kritikpunkte habe ich: Die Art der Präsentation war ungünstig - es war schade, dass Bereiche vieler Quilts von Gegenständen verdeckt waren, die zur Stablisierung der Ausstellungswände dienten, so dass man nicht alle Quilts im Ganzen sehen und fotografieren konnte. Und: Für Besucher aus dem Ausland wäre es hilfreich, wenn die Informationen zum Festival im Internet auf Englisch zu finden wären. 

Ich freue mich schon auf die Ausstellung von mehr als 50 "Dear Jane" Quilts, die ich diese Woche besuchen möchte.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Me Made Mittwoch [Leo-Kleid]


Me Made Mittwoch in einem Kleid mit Leo-Print. Eigentlich bin ich für Tiermuster nicht unbedingt zu haben, aber dieses gefällt mir. Vermutlich liegt es am dunkelblauen Hintergrund, der es etwas dezenter macht. 

Der Schnitt heißt Pieced stammt aus der Ottobre 2/2016, die - meiner Meinung nach - gleich mehrere interessante Schnitte enthält. Eigentlich ist er für Leinen gedacht, nicht für dünne Viskose. Deswegen habe ich den Halsausschnittbeleg mit Vlieseline verstärkt. Außerdem habe ich, was eigentlich nicht vorgesehen ist, innenseitig etwas über der Taille einen umlaufenden Streifen aufgenäht und ein Gummiband eingezogen.

Mehr selbstgemachte Outfits findet man heute wieder neuerdings immer am ersten Mittwoch des Monats auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Dienstag, 30. Januar 2018

Improvisieren in Blau und Violett

Eigentlich hatte ich vorgehabt, als Nächstes einen Quilt in pastell-zuckrigen Marshmallow-Farben zu nähen, aber so richtig flutschen wollte es nicht. Jedes Projekt braucht seine richtige Zeit - kennt Ihr das auch?

Dafür drängte sich vor zwei Tagen eine andere Idee in den Vordergrund. Ohne Plan, ohne Vorlage, ohne Schnitt, zu 100% improvisiert, habe ich Baumwollstoffe in Blau-, Violett- und Grüntönen aneinandergefügt, mit ein paar Sprengseln Gelb und Braun dazwischen. Es ist wunderbar, so zu arbeiten, entspannend und beglückend, und das noch unfertige Ergebnis gefällt mir schon richtig gut.

Der bunte Kreis wird als Reverse Appliqué der einzige Hingucker auf einem ansonsten schlichten grauen Quilt sein. Jetzt fülle ich die letzten noch fehlenden Zwischenräume und denke über Quiltmuster nach...